Darum kommt es zu Flugverspätungen
Airlines und Flughäfen arbeiten mit minutiös geplanten Abläufen, bei denen alles ineinandergreift. Kommt es in einem Bereich zu Problemen, zieht das zwangsläufig weitere Verzögerungen nach sich. Manche Ursachen sind nicht vermeidbar, andere lassen sich durch eine Verbesserung des Flughafenmanagements beeinflussen.
Wetterbedingte Verspätungen
Schlechtes Wetter zählt zu den häufigsten Ursachen für Verspätungen. Stürme und Gewitter können Starts und Landungen extrem gefährlich machen, Nebel reduziert die Sicht, Schnee und Eis erfordern aufwendiges Enteisen. Sehr hohe Temperaturen können dazu führen, dass ein Flugzeug mehr Strecke braucht, um abzuheben und deshalb weniger Gewicht mitnehmen darf.
Da Sicherheit immer Vorrang hat, müssen Airlines in solchen Wetterlagen vorsichtig handeln, wodurch es teils zu langen Wartezeiten kommt. Unwettergeschehen können mitunter so gravierend sein, dass der Flug erst nach mehreren Tagen freigegeben werden kann. Vielleicht erinnerst du dich an den Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull im Jahr 2010, der den Flugverkehr in Mitteleuropa fast eine Woche lang massiv beeinträchtigte.
Sind schwierige Wetterbedingungen absehbar, wird dich die Airline rechtzeitig über eine wahrscheinliche Flugverspätung oder gar einen Flugausfall informieren. Das ist aber nicht immer möglich. Bei Ausfällen aufgrund von Schlechtwetter spricht man von „außergewöhnlichen Umständen“, weil sich das Wetter nun einmal nicht beeinflussen lässt.
Technische Probleme
Jedes Flugzeug darf natürlich nur dann starten, wenn alles wirklich einwandfrei funktioniert. Meldet ein technischer Bereich des Flugzeugs eine Fehlfunktion, muss eine Abklärung erfolgen. Dafür ist es unerheblich, ob das Triebwerk, das Kommunikationssystem oder ein kleines technisches Bauteil betroffen ist. Wie lange die Wartung und Reparatur dauert, kommt auf die Details des Problems an. Zusätzlich können technische Probleme dazu führen, dass die Crew ihre vorgeschriebenen Ruhezeiten überschreitet, sodass ein neues Team organisiert werden muss.
Für dich als Passagier sind technische Störungen oft frustrierend, weil du kaum Informationen bekommst und manchmal stundenlang warten musst, während Techniker das Problem prüfen. Kann der Defekt nicht schnell behoben werden, wirst du in der Regel auf einen anderen Flug umgebucht.
Verzögerungen durch den Flughafenbetrieb
Auch der Flughafenbetrieb kann der Grund für eine Verspätung sein. Zu den typischen Störfaktoren zählen:
- Überfüllter Flugverkehr: Wenn viele Flugzeuge gleichzeitig starten oder landen wollen, muss der Flughafen den Verkehr verlangsamen.
- Kapazitätsengpässe auf Start- und Landebahnen: Sind nicht genug Bahnen verfügbar oder werden kurzfristig gesperrt, entstehen Warteschleifen am Boden und Flüge verschieben sich.
- Lange Sicherheitskontrollen: Überlastete Kontrollen verzögern das Boarding.
- Verspätete Gepäckverladung: Wenn Bodenpersonal fehlt oder Gepäckwagen nicht rechtzeitig bereitstehen, kann das Flugzeug nicht pünktlich abheben.
Check-in am Automaten
Anstatt der Schalter kannst du am Flughafen auch Automaten für deinen Check-in nutzen, sofern welche bereitgestellt werden. Dafür musst du ein E-Ticket gekauft haben.
Die Self-Check-in-Automaten lassen sich per Touchscreen bedienen. Du wählst deine Airline aus, identifizierst dich mit deiner Buchungsnummer oder deiner Kundenkarte und bestätigst deine Daten. Anschließend kannst du Sitzplätze auswählen, deine Bordkarte ausdrucken und manchmal sogar direkt die Gepäckbanderole erstellen. Viele Airports bieten zusätzlich spezielle Schalter oder vollautomatische Bag-Drop-Automaten an, an denen du dein bereits etikettiertes Gepäck selbstständig abgeben kannst. Der gesamte Vorgang dauert meist nur wenige Minuten.
Manchmal stehen allerdings auch viele Leute an den Automaten an oder es kommt zu technischen Störungen. Der Check-in am Automaten ist daher vor allem eine Alternative zum ausgelasteten Check-in-Schalter, die du wählen kannst, wenn du bereits am Flughafen bist. Plane im Vorfeld also nicht unbedingt weniger Wartezeit ein.
Vorteile:- schnelle Abwicklung, vor allem, wenn man sich auskennt
- kein Anstehen am Schalter
- Sitzplatzauswahl & Gepäcklabel bequem am Automaten
- nicht immer für jeden intuitiv bedienbar
- funktioniert nur mit E-Ticket
- technische Fehler möglich
Probleme im Flugplan oder bei der Fluggesellschaft
Manchmal sind organisatorische Faktoren der Auslöser für Flugverspätungen. Dazu gehören überlastete Flugrouten, fehlendes Personal oder verspätete Crew- Wechsel. Besonders häufig ist eine verspätete Ankunft des vorherigen Fluges schuld. Davon bekommst du als Passagier selten etwas mit, musst aber trotzdem lange warten. Wenn ein Flugzeug im Laufe des Tages später ankommt, zieht sich diese Verzögerung durch den gesamten Flugplan. Billigflüge sind aufgrund der hohen Anzahl an durchgeführten Flügen öfter von diesem Problem betroffen als Flüge teurerer Airlines.
Weitere Faktoren
Neben den genannten Punkten gibt es weitere Ereignisse, die Verzögerungen zur Folge haben können:
- Kritische Sicherheitslagen: Entsteht am Flughafen oder in dessen Umgebung eine Sicherheitsbedrohung, müssen Bereiche gesperrt oder der Betrieb vorübergehend eingeschränkt werden. Ein Beispiel hierfür ist eine Bombendrohung, die an Flughäfen regelmäßig Evakuierungen erforderlich macht.
- Medizinische Notfälle: Wenn bei einem Passagier ein Notfall eintritt, muss die Airline sofort reagieren, beispielsweise durch medizinische Hilfe am Gate oder eine außerplanmäßige Landung. Beides geht zwangsläufig mit Verzögerungen des Flugverkehrs einher.
- Streiks in Airline-, Boden- oder Flugsicherungsbereichen: Im Rahmen von Personalstreiks können wichtige Aufgaben wie Abfertigung, Gepäckhandling oder die Luftraumüberwachung nicht wie gewohnt ablaufen, was stundenlange oder ganztägige Verspätungen verursachen kann.
Wann hast du ein Recht auf Entschädigung?
Bei zu langer Verspätung hast du womöglich einen Anspruch auf eine Entschädigungszahlung. Diese entspricht einer maximalen Höhe von 600 Euro und hängt von der Entfernung ab. Du kannst deinen Anspruch drei Jahre rückwirkend geltend machen. Eine wichtige Voraussetzung für den Anspruch ist, dass die Fluggesellschaft ihren Sitz in der EU hat oder der Flug innerhalb der EU durchgeführt wird. Es spielt keine Rolle, ob das Flugzeug nur in der EU startet oder nur dort landet. Außerdem muss die Verspätung mindestens drei Stunden betragen.
Ob und in welchen Fällen du Anspruch auf Entschädigung hast, regelt die EU- Fluggastrechteverordnung. Weitere Informationen dazu findest du hier. p>
Auch ohne Entschädigungsanspruch hast du vielleicht einen Anspruch auf Unterstützungsleistung. Dieser besteht bei Abflugverzögerungen von mindestens zwei Stunden. Zu den Leistungen zählt die kostenlose Verpflegung mit Essen und Trinken sowie zwei kostenlose Telefonanrufe. Wenn du aufgrund einer Verspätung erst am nächsten Tag weiterfliegen kannst, steht dir sogar ein Hotelzimmer samt Transfer zu.
Liegt ein „außergewöhnlicher Umstand“, also zum Beispiel ein Unwetter vor, gibt es keine Entschädigung. Ein Recht auf Betreuungsleistung hast du aber trotzdem.
Übrigens: Ab einer Verspätung von fünf Stunden ist es möglich, dass du von deinem Vertrag zurücktrittst und dein Geld für das Flugticket zurückforderst.Was kannst du bei Flugverspätungen tun?
Wenn dein Flug Verspätung hat, bleibe ruhig und informiere dich laufend über aktuelle Updates. Halte alle Unterlagen bereit und dokumentiere Zeiten. Bewahre unbedingt immer alle Nachweise und Belege auf, um gegebenenfalls Ansprüche rückwirkend geltend zu machen. Nutze Airline-Apps oder die Flughafenanzeige für aktuelle Informationen. Wenn dir am Gate nichts als Warten übrig bleibt, kannst du dir vielleicht in einer komfortablen Lounge oder im Duty-Free-Bereich die Wartezeit etwas verschönern. Und ganz wichtig: Plane bei zukünftigen Reisen immer genug Puffer ein. So bleibt dein Start in den Urlaub stressfrei, selbst wenn es am Flughafen mal länger dauern sollte.







