Ein Flughafen, viele Arbeitgeber
Wer an einem Flughafen arbeitet, ist nicht automatisch beim Betreiber angestellt. Das
Gelände funktioniert eher wie eine kleine Stadt. Airlines, Bodenverkehrsdienste,
Sicherheitsunternehmen, Wartungsbetriebe, Cateringfirmen, Behörden und Gastronomie
teilen sich die Fläche. An Drehkreuzen wie Frankfurt oder München sind es mehrere hundert
Unternehmen.
Für Bewerberinnen und Bewerber macht das die Suche unübersichtlich, weil sich Stellen auf
viele Karriereseiten verteilen. Portale wie flughafen-jobs.de bündeln deshalb Angebote von
Flughäfen in Deutschland, Österreich und der Schweiz und lassen sich nach Standort und
Berufsfeld filtern. Schon die Kategorien zeigen, wie breit das Feld ist, von der
Bodenabfertigung über Luftsicherheit und Technik bis zur IT.
Eine Gemeinsamkeit haben fast alle Tätigkeiten im nicht öffentlichen Bereich. Wer dort
arbeitet, braucht eine Zuverlässigkeitsüberprüfung nach § 7 Luftsicherheitsgesetz. Die
Behörde holt dafür unter anderem Auskünfte aus dem Bundeszentralregister sowie von
Polizei und Verfassungsschutz ein. Erst danach gibt es einen Flughafenausweis.
Station 1: Check-in und Gepäckabgabe
Check-in-Agents arbeiten häufig nicht direkt für die Airline, sondern für einen
Bodenverkehrsdienst, der mehrere Fluggesellschaften abfertigt. Am Schalter gleichen sie
Reisedokumente mit den Einreisebestimmungen des Ziellandes ab, oft mithilfe der IATA-
Datenbank Timatic. Befördert eine Airline einen Passagier mit unzureichenden Dokumenten,
drohen ihr Strafzahlungen und die Kosten für den Rücktransport. Parallel erfassen die
Agents Freigepäck, Übergepäck und Sondergepäck wie Sportgeräte oder Rollstühle im
Abfertigungssystem, dem Departure Control System.
Jeder aufgegebene Koffer erhält einen Anhänger mit zehnstelliger Nummer, über die er
durch alle Systeme verfolgt wird. Seit 2018 verlangt die IATA-Resolution 753, dass Airlines
Gepäck an festgelegten Punkten erfassen, etwa bei Annahme, Verladung und Ankunft.
Ein typischer Einstieg ist die dreijährige Ausbildung zum Servicekaufmann oder zur
Servicekauffrau im Luftverkehr. Viele Bodenverkehrsdienste schulen auch Quereinsteiger
intern.
Station 2: Die Sicherheitskontrolle
Kaum ein Abschnitt der Reise ist so stark reguliert. In Deutschland liegt die Verantwortung
für die Passagierkontrolle nach § 5 Luftsicherheitsgesetz bei den Luftsicherheitsbehörden,
an vielen Flughäfen also bei der Bundespolizei. Die Kontrolle selbst übernehmen meist
private Sicherheitsunternehmen in deren Auftrag.
Luftsicherheitsassistentinnen und Luftsicherheitsassistenten durchlaufen vor dem Einsatz
eine theoretische und praktische Schulung mit behördlicher Prüfung. Auf dem Lehrplan
stehen Röntgenbildauswertung, Durchsuchungstechniken und Rechtsgrundlagen. Die
europäischen Mindeststandards regelt die Durchführungsverordnung (EU) 2015/1998. Die
Zertifizierung muss in festgelegten Abständen erneuert werden.
Im laufenden Betrieb blendet eine Software namens Threat Image Projection virtuelle
Gefahrenobjekte in echte Röntgenbilder ein und erfasst, ob sie erkannt werden. So wird die
Aufmerksamkeit dauerhaft gemessen.
Moderne CT-Scanner verändern den Arbeitsplatz gerade spürbar. Sie erzeugen
dreidimensionale Ansichten des Handgepäcks, die anders ausgewertet werden als
klassische Röntgenbilder. Für die Mitarbeitenden bedeutet das neue Schulungen und
andere Abläufe an der Spur.
Station 3: Unter dem Terminal
Während der Passagier zur Kontrolle geht, ist sein Koffer längst unterwegs.
Gepäckförderanlagen großer Flughäfen bestehen aus kilometerlangen Bändern und
Weichen. Scanner lesen die Anhänger, die Steuerung leitet jedes Stück zur richtigen
Sammelstelle.
Unterwegs wird jedes Gepäckstück von Sprengstoffdetektionssystemen geprüft, die nach
EU-Vorgaben den ECAC-Standard 3 erfüllen. Löst ein Gerät Alarm aus, beurteilen geschulte
Kontrollkräfte das Bild. Mechatroniker halten die Anlage in Betrieb, Gepäckabfertiger
verladen die Koffer in Container. Fällt eine Weiche aus, staut sich das Gepäck innerhalb
weniger Minuten. Deshalb ist Schichtbetrieb rund um die Uhr in der Technik die Regel,
ebenso wie Bereitschaftsdienste für Störungen außerhalb der Hauptzeiten.
Station 4: Auf dem Vorfeld
Steht das Flugzeug an der Parkposition, beginnt der Turnaround. Ramp Agents entladen
Gepäck und Fracht und beladen die Maschine neu. Gleichzeitig arbeiten Betankung,
Catering und Reinigung am selben Flugzeug. Bei Kurzstreckenjets planen Airlines dafür oft
weniger als eine Stunde ein.
Load Controller berechnen, wie Gepäck, Fracht und Post verteilt werden, damit der
Schwerpunkt im zulässigen Bereich liegt. Das Ergebnis ist das Loadsheet für die
Cockpitbesatzung. Wer auf dem Vorfeld Fahrzeuge steuert, braucht zusätzlich eine
flughafeninterne Fahrberechtigung. Für Schlepper, Hubwagen oder Enteisungsfahrzeuge
kommen zusätzliche Einweisungen hinzu. Gearbeitet wird bei jedem Wetter. Im Winter
gehört die Enteisung dazu, bei der Teams Tragflächen und Leitwerk mit erwärmter
Glykollösung behandeln, damit sich vor dem Start kein Eis auf den Flächen befindet.
Station 5: Leitstellen und Flughafenfeuerwehr
An großen Flughäfen wie Frankfurt oder München steuert eine Vorfeldkontrolle des
Betreibers die Bewegungen auf Rollwegen und Abstellflächen. Für Start- und Landebahnen
ist die Flugsicherung zuständig. In der Verkehrsleitung werden Parkpositionen vergeben und
Störungen bearbeitet.
Viele Flughäfen arbeiten nach dem Verfahren Airport Collaborative Decision Making, kurz A-
CDM. Betreiber, Airlines, Bodenverkehrsdienste und Flugsicherung teilen dabei Zeitstempel
wie die geplante Abrollzeit von der Parkposition. So lassen sich Wartezeiten mit laufenden
Triebwerken verringern.
Die Flughafenfeuerwehr ist ein eigener Berufszweig. Die ICAO teilt Flughäfen nach Größe
der dort landenden Flugzeuge in die Brandschutzkategorien 1 bis 10 ein. Die ersten
Fahrzeuge sollen jeden Punkt der Bahn möglichst innerhalb von zwei Minuten erreichen,
keinesfalls später als nach drei Minuten.
Station 6: Am Gate und an Bord
Gate Agents scannen Bordkarten und betreuen Passagiere, die Unterstützung brauchen.
Eine Aufgabe ist sicherheitsrelevant. Erscheint ein Passagier mit aufgegebenem Gepäck
nicht zum Boarding, muss sein Koffer in der Regel wieder ausgeladen werden. Dieser
Abgleich ist EU-Vorgabe und eine häufige Ursache kurzfristiger Verspätungen.
Für Reisende mit eingeschränkter Mobilität sind nach der Verordnung (EG) Nr. 1107/2006
die Flughafenbetreiber zuständig. Assistenzteams begleiten sie vom Terminal bis zum
Sitzplatz.
Sobald die Tür schließt, übernimmt das Kabinenpersonal. Flugbegleiter benötigen in der EU
eine Bescheinigung über ihre Ausbildung, die sogenannte Cabin Crew Attestation. Ihre
Hauptaufgabe ist die Sicherheit an Bord, der Service folgt erst an zweiter Stelle.
Wege in die Branche
Einige Anforderungen tauchen in fast allen Flughafenberufen auf:
- Zuverlässigkeitsüberprüfung für den nicht öffentlichen Bereich
- Bereitschaft zu Schichtarbeit, auch nachts und an Feiertagen
- Englischkenntnisse, je nach Tätigkeit auf Grundniveau oder verhandlungssicher
Traditionelle Ausbildungsberufe sind unter anderem Servicekaufmann im Luftverkehr,
Fluggerätmechaniker, Fachkraft für Schutz und Sicherheit oder Mechatroniker. Auch duale
Studiengänge, etwa im Luftverkehrsmanagement, stehen zur Verfügung. Quereinstiege mit
interner Weiterbildung sind in der Bodenabfertigung und Luftsicherheit verbreitet.
Wer sich orientieren möchte, schaut zuerst bei den Arbeitgebern am nächsten Flughafen
nach und macht sich frühzeitig an die erforderlichen Unterlagen, denn für die
Zuverlässigkeitsüberprüfung sind auch Angaben zu den Wohnorten der letzten Jahre
erforderlich. Viele Flughäfen bieten Vorfeldrundfahrten an, bei denen sich die Abläufe direkt
beobachten lassen.
Und beim nächsten Abflug lohnt der zweite Blick auf die Menschen in Warnweste, am
Schalter, an der Kontrollspur: jede dieser Tätigkeiten trägt dazu bei, dass ein Flugzeug
pünktlich abhebt.







